Wein des Monats

Dirk Niepoort und Philipp Kettern: Rätzelhaft 2014

 

Niepoort goes Mosel

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Die Mosel mit ihren eigenständigen Nebenflüssen Ruwer und Saar gehört zweifellos in die Reihe der großen und einzigartigen Regionen auf dem Planeten Wein. Das belegen historische Zeugnisse ebenso wie die in der letzten Zeit umfänglich dokumentierte große internationale Wertschätzung, die Moselwein noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts genoss. Er gehörte zum Standardrepertoire der berühmtesten Tafeln Europas, fehlte auf keiner Weinkarte europäischer Luxushotels und wurde zum Preis großer Bordeaux oder Burgunder gehandelt. Guter Mosel spielte in der Ersten Liga internationaler Spitzengewächse, und niemand hätte sich wohl damals den jähen und tiefen Absturz vorstellen können, den der deutsche Wein und mit ihm auch die Mosel im weiteren Verlauf jenes wechselvollen Jahrhunderts machen sollte. Was immer es an Qualität und Prestige im bürgerlichen Zeitalter gegeben hatte, der deutsche Wein verlor es fast vollständig. Kein Wunder, sollte man meinen, wenn man seine besten Kunden mit Krieg überzieht und sich anschließend in wirtschaftswunderselige Massenproduktion flüchtet. Da ist einiges auf der Strecke geblieben, und Winzer, die international Geschäfte machten und für die Qualität über Quantität ging, waren eindeutig weit in der Minderzahl. Der große Rest war nicht weiter der Rede wert. Man traute sich selbst und auch dem Weintrinker nur noch wenig zu. Der Stammplatz in der Spitzengruppe internationaler Gewächse war verspielt, und zu Beginn des neuen Jahrtausends dürften nur noch in wenigen Kellern großer Sammler nennenswerte Mengen an Wein von Mosel, Saar und Ruwer zu finden gewesen sein. Und wenn doch, dann waren das vor allem die edelsüßen Spitzenrieslinge von Egon Müller, J. J. Prüm und ein paar weniger anderer Weingüter, die auf den großen Versteigerungen stets Spitzenpreise erzielt haben und es bis heute tun.

Ansonsten war viel Stillstand im „engen Tal“ der Mosel. Außer ein paar schrägen Vögeln und Visionären, die ihren Wein in aller Regel ins Ausland verkauften, herrschte tiefes Schweigen zwischen den Steilhängen. Mit der Jahrtausendwende und den Bestrebungen des VDP, Deutsche Weine wieder auf Kurs zu bringen, kam dann allerdings langsam Bewegung in den sonst eher trägen Lauf der Mosel. Seitdem träumen einige Winzer vernehmlich und medienwirksam vom Glanz vergangener Tage und tun sehr viel dafür, an diese goldenen Zeiten anzuknüpfen. Dafür werden preußische Steuerkarten konsultiert und ausschließlich die besten Lagen bewirtschaftet. Die Charakterstärke typischer Moselweine wird in den Vordergrund gestellt sowie die Fähigkeit des Rieslings, unter den Händen eines guten Winzers oder Kellermeisters Herkunft und Jahrgang auszudrücken. Man sucht eine internationale Öffentlichkeit, ist vernetzt mit Kollegen aus Frankreich, Übersee und sogar aus anderen deutschen Anbaugebieten. Eine nie gekannte Dynamik hat die Region nach und nach erfasst, und obwohl der Bustourismus in bestimmten Orten noch immer Züge der Wirtschaftswunderjahre trägt, liegt die Zukunft dieser großartigen Region und ihrer Weine eindeutig in der Hand anspruchsvoller Erzeuger und Trinker.

Und da ist, wie man heute so schön sagt, noch Luft nach oben. Wer je einen leichten Kabinett oder eine saftige Spätlese aus Wehlen, Brauneberg, Piesport, Wiltingen oder einem der anderen großartigen Weinbaudörfer getrunken hat und die unglaubliche Qualität dieser einzigartigen Weintypen international vergleicht, dem wird schnell klar, dass Moselwein nicht nur qualitativ herausragend sein kann, sondern im Vergleich mit Weinen aus anderen Prestige-Regionen Europas auch noch sehr günstig zu haben ist. Ein echtes El Dorado für die wachsende Riesling-Fangemeinde der vergangenen Jahre, vor allem in großen Jahrgängen, wenn der Preis-Trinkspaß-Faktor alle Rekorde bricht.

Das weiß auch Dirk Niepoort, Önologe, Visionär und Marketing-Genie aus dem Duorotal. der schon vor Jahren seine Liebe zur Mosel und zum Moselriesling entdeckt hat und sie seitdem gepflegt. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis er, der reichlich Erfahrung mit Schiefersteilhängen, aber auch mit der Entwicklung von Projekten hat, seinen ersten Wein an der Mosel machen würde. Mit Philipp Kettern, der gerade dabei war, das elterliche Weingut in Piesport zu übernehmen, hat er 2012 dann auch endlich den Partner gefunden, den er dafür brauchte. Das Weingut Lothar Kettern verfügt über beste Parzellen mit altem Rebbestand im Piesporter Goldtröpfchen, und Philipp Kettern ist zum einen begnadeter Jungwinzer mit festen Wurzeln und zum anderen experimentierfreudig und neugierig. Genau der richtige also, um mit Dirk Niepoort und dessen Sohn Daniel, der mittlerweile in Piesport wohnt, ein Projekt durchzuziehen, das Herkunft betont und dabei weit über den Status Quo hinausweist. Seit 2012 wird an den Weinen aus den Top-Parzellen des Weinguts gearbeitet, die jetzt zum ersten Mal unter dem Label Fio Wine auf den Markt kommen. Sie stehen für Herkunft, Charakter und Klasse und wollen nichts weniger sein, als die Zukunft der Mosel mit starkem Rückbezug auf die Größe der Vergangenheit.

Wir machen heute den Anfang mit dem Rätzelhaft aus dem Jahrgang 2014, einer hauptsächlich auf Riesling basierenden Cuvée, die klassische und traditionelle Moselweineigenschaften mit den Anforderungen eines jungen internationalen Weinmarktes verbindet. Ein Kabinett-Typ, leicht, aromatisch, packend. Die Frucht saftig, die Rieslingsäure perfekt aufgefangen durch langes Hefelager und eine gekonnte Assemblage. Ein Wein, der in sich ruht, wie man das bei Alltagsweinen dieser Preisklasse allein deshalb schon sehr selten findet, weil sie in aller Regel früh auf den Markt kommen und geschmacklich von perfekter Kellertechnik und Primärfrucht bestimmt sind. Nicht so der Rätzelhaft, dem schonendes Handwerk, die nötige Ruhe im Keller und die Sonne im Weinberg alles mitgegeben haben, was ein Wein für fast alle Tage braucht. Frucht, Frucht, Frucht. Dazu Saftigkeit und Trinkfluss bei gerade einmal 10,5% Alkohol.

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